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Pressemitteilung 13.10.2021

Start der Bürgerbegehren Rettet den Häckersteig und den Schwarzenbachgrund - Bürgerinitiative will Chancen für Höchstadts nachfolgende Generationen erhalten.

Wir möchten einen Beitrag leisten, damit den griffigen Slogans der Befürworter des massiven Flächenverbrauchs in Höchstadt Zahlen und Fakten entgegenstehen und diese - statt immer derselben Polemik - in die Debatte eingebracht werden. Schlagworte wie „Junge Familien sind chancenlos“ und „Todesstoß für Höchstadt“ helfen hier nicht weiter, zumal sie schlichtweg falsch sind.

Zudem halten wir es für ungerechtfertigt, argumentativ immer wieder das Recht und Bedürfnis auf Wohnraum gegen den, unter anderem in der bayerischen Verfassung, gebotenen Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen auszuspielen. Dafür besteht keine Notwendigkeit, denn  es gibt intelligente Lösungen, die beides miteinander verbinden.

Die geplante Wohnbebauung im Häckersteig wird mit einem deutlichen Wohnbedarf begründet. Der aus dem neuen Flächennutzungsplan hervorgehende Bedarf für die nächsten 15 Jahre liegt um mehr als 140 % über dem momentanen Bayerischen Durchschnitt. Nach wie vor legt die Stadt Höchstadt hierzu lediglich eine Liste mit Bauplatzanwärter*innen vor, auf der 27% Prozent bereits ein Haus, eine Wohnung, einen Bauplatz oder sogar Häuser besitzen und ca. 40% nicht aus der Umgebung stammen.

Durch die missglückte Siedlungspolitik der letzten Jahrzehnte sind in den  Siedlungen  immer  mehr  Baulücken  entstanden,  die  für  den Wohnungsbau angeblich nicht aktivierbar sind. Die Stadt Höchstadt ist im Begriff die Fehler der Vergangenheit in die Zukunft fortzuschreiben. Übersehen wird dabei aber auch, dass viele Baulücken oft für die Kinder oder Enkelkinder der Besitzer zurückgehalten werden, also sehr wohl jungen Höchstadter Familien zur Verfügung stehen könnten.

Jede Baulücke kostet der Höchstadter Bevölkerung Geld für die Bereithaltung der Infrastruktur, also Straßenreinigung, Winterdienst, Entwässerung, Straßenbeleuchtung und so weiter. Demgegenüber stehen der Stadt aber keine Einnahmen zur Verfügung. Also muss es im Interesse der Stadt sein, die vorhandenen Baulücken zu aktivieren. Die geplante und in Angriff genommene Bautätigkeit wird dazu führen, dass in den nächsten Jahren mehr Wohnraum geschaffen wird, als der von der Stadt angenommene Bedarf ist.

So entstehen gerade allein im Kernbereich der Stadt in den derzeitigen Neubaugebieten Häckersteig VI, Lehmgrube II, Etzelskirchen-Nord, Greiendorferweg und Kiefendorferweg Baugrund und Häuser mit insgesamt 223 Wohneinheiten. Hinzu kommen weitere Mehrfamilienhausprojekte in Etzelskirchen, in der Kerschensteinerstraße, im Wachenrother Weg und am Kellerberg mit ca. 140 Wohneinheiten. Allein nur dieser neue Wohnraum könnte den vorausgesagten notwendigen Wohnraumzuwachs auf 20 Jahre aufnehmen.

Der Häckersteig ist ein hoch schützenswertes ökologisches und naturhistorisches Kleinod für Höchstadt. Die über Jahrhunderte gewachsene Terrassenstruktur dieser Feldflur-Kulturlandschaft verfügt über eine reiche Tier- und Pflanzenvielfalt.

Stadtplanerisch ist der Entwurf für den Häckersteig auch in fachlicher Hinsicht unsinnig. Würde der Plan mit seinen beiden fingerartig in die freie Landschaft hineinragenden großen Baugebiete so verwirklicht, würden auch die als Grünflächen freigehaltenen Gebiete ihre wichtigen Funktionen zum Beispiel als Lebensraum für Brutvögel wie das Rebhuhn verlieren.

Und die Menschen in Höchstadt würden eine für das städtische Klima besonders wichtige Frischluftzufuhrquelle verlieren. Der Häckersteig hat zudem als städtisches Naherholungsgebiet eine herausragende Bedeutung für die Höchstadter Bürgerinnen und Bürger (siehe auch Stellungnahme des BN zum FNP vom 24.5.2021, Seite 7f).

Das Schwarzenbachtal mit seinen Weihern, Äckern und Wiesen ist ein wichtiges Brutgebiet für stark gefährdete Bodenbrüter wie den Kiebitz und die Bekassine, wobei letztere vom Aussterben bedroht ist. Wer dieses Gebiet kennt weiß auch, was hier für Höchstadt verloren ginge.

In den letzten Jahren ist die Stadt Höchstadt beispiellos verschwenderisch mit der Vergabe von Gewerbeflächen umgegangen. Das Gewerbegebiet „Kiebitzengraben“ im Osten der Stadt steht hierfür beispielhaft. Längst sind nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft, weiteres Gewerbe anzusiedeln. Wer wissen will, welche Fehler bei der Vergabe von Gewerbeflächen gemacht werden, muss sich das Meinhardt-Gelände ansehen. Es liegt nun aufgrund der mangelhaften Vertragsgestaltung – bis auf die momentane Zwischennutzung – xbrach und ist zum Spekulationsobjekt geworden, statt für einheimische Gewerbetreibende zur Verfügung zu stehen.

Der „Schwarzenbachgrund“ im Westen des Stadtgebietes würde zudem mit dem im Osten liegenden Gewerbegebiet das Stadtgebiet Höchstadts von zwei Seiten einschließen, was planerisch nicht nur aufgrund der damit zunehmenden Belastung der Wohnbevölkerung durch Emissionen als wenig durchdacht zu bezeichnen ist. Der Individual- und Lieferverkehr vom Westen in Richtung Autobahn und umgekehrt würde zunehmen. Dies ist im Hinblick auf die ohnehin schon hohe Verkehrsbelastung des benachbarten Gremsdorf besonders fatal.

Betrachtet man nun vorgelegten Planungsentwurf, so muss man feststellen, dass die Stadt Höchstadt einen Flächenbedarf für die kommenden 15 Jahre von 136,1 ha voraussagt. Der Flächenverbrauch in Bayern beträgt zur Zeit ca. 10 ha pro Tag. Im Koalitionsvertrag der Bayerischen Staatsregierung wird ein Flächenverbrauch von 5 ha pro Tag angestrebt. Nach Berechnungen des Bund Naturschutz liegt der von der Stadt vorausgesagte Mehrbedarf Höchstadts um 144% über dem bayerischen Durchschnitt und um 388% über dem von der bayerischen Staatsregierung angestrebten Ziel. Allein diese Zahlen zeigen den Unwillen der Beteiligten, sich den Realitäten zu stellen und endlich unsere knappen Ressourcen zu schonen.

Auch die Stadt Höchstadt wird es nicht schaffen, gegen die Gegebenheiten des Immobilienmarktes, Bauen für weniger begüterte junge Familien erschwinglich zu machen. Im Gegenteil – sie verschärft die Probleme. Der Neubau von Einfamilienhäusern ist keine Frage der Sozialpolitik.

Klima-, Arten-und Bodenschutz muss vor Ort stattfinden. Auf andere zu zeigen und zu sagen „Die sind ja noch viel schlimmer“ mag zwar für eigene seelische Entlastung sorgen, ändert aber nichts an den Problemen vor deren Lösung wir stehen. Diejenigen, die ihren Kindern nicht erklären wollen, dass das was noch in den 1970er bis 90er Jahren möglich war, nun unvernünftig ist, können sich schon einmal die Erklärungen für ihre Enkelkinder zurecht legen, warum sie wider besseren Wissens nicht anders gehandelt haben.

Wir möchten mit unserer Bürgerinitiative der Höchstadter Stadtgesellschaft die Chance geben, in diesen für nachfolgende Generationen wichtigen Zukunftsfragen mitzuentscheiden.

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